Toyotismus

 

Die nach-fordistische Produktionsform, die mit kommunikationstechnischen Innovationen Mitte der 70er Jahre eingeleitet wurde, ist eigentlich nicht eindeutig definierbar, sondern geradezu von der Vielfalt ihrer Umsetzungsformen gekennzeichnet. Ein Markstein war jedoch - wie für den Fordismus die neue Produktionsform in den Fordwerken - diesmal die Umstellung der Produktionsformen bei Toyota.

Mein obiger Bezug auf die Kommunikationstechnik erweist sich bei genauerer Betrachtung sogar als Fehlgriff: Es geht gar nicht primär um die Technik, sondern um die bessere Nutzbarmachung der lebendigen Arbeit (mit Hilfe der dazu entwickelten und genutzten neuen Technik):

"Das Problem ist das gedankenlose Anbinden des Arbeiters an die Maschine, da er bei der Arbeit sinnentleert zuschaut. In Japan ist das Ziel die Menschen auszulasten, nicht wie bei Ihnen die Maschinen."

(K.Sekine, Miterfinder des Toyota Produktion System, zit. in Pauli 1996, S. 4)

 

 

Das Ziel sind Produktivitätssteigerungen im Interesse der Profitmaximierung, die quasi höchstens "nebenbei" auch Bedürfnisse und die auch nur in Form von zahlungskräftiger Nachfrage ("Bedarf") befriedigen.

In den Produktionsprozessen stehen im Zentrum:

  • Flexible Automatisierung auf Grundlage moderner IuK (modulare Fertigungssysteme) und
  • Neue Schlüsseltechnologien, besonders Entwicklung und Einsatz neuer Materialien und innovativer Bearbeitungsmethoden; Bio- und Gentechnologie, Optoelektronik (für Automatisierung), Nanotechnologie.

Veränderungen in den Unternehmen sind notwendig und möglich:

  • Neue, flexible Arbeitsorganisationsformen werden entwickelt.
  • Die Arbeit wird komplexer, der Arbeitsteilungsgrad geht zurück.
  • In Gruppenarbeit plant die Gruppe selbst Arbeitseinteilung und -organisation, prüft und verantwortet ihre Qualität. ("Verantwortungsübernahme der Mitarbeitenden für definierte Teile von Prozeßketten" (DELPHI-Befragung 1998 nach Fraunhofer Institut für Systemforschung).
  • Hierarchien werden abgeflacht.
  • Das Wissen, Können und die Motivation der Einzelnen wird wichtiger.

Dabei entwickeln sich neue wirtschaftliche Strukturen:

  • Unternehmen konzentrieren sich auf ihr Kernpotential, verringern die Fertigungstiefe.
  • Die Unternehmen werden durch neuartige Kundenorientierung zu "lernenden Fabriken".
  • Entflechtung der Produktionspotentiale (Dezentralisierung und Neuverflechtung in globalem Maßstab) - "Virtualisierung" der Unternehmenskoordination, "Schleimpilzunternehmungen" (Addor 1998).
  • Die profitable Amortisation des eingesetzten Kapitals ist nur noch in globalen Dimensionen möglich.
  • Die Bedeutung der Industrie nimmt relativ zu bestimmten Dienstleistungen ab, wobei diese jedoch an die industrielle Mehrwertrealisierung gebunden bleiben.

90% der Unternehmen, die Gruppenarbeit eingeführt haben, gaben an, die Qualität ihrer Produkte verbessert zu haben, 60% senkten die Kosten und über die Hälfte steigerten die Produktion (Perschens 1998, S. 188). Allerdings haben bisher in der BRD nur 8% der Unternehmen ihre Arbeitsorganisation auf Gruppenarbeit umgestellt, während dies in den USA 20% sind.

Beim seit 1993 modernen "Reengineering" sollen mehrere zusammenhängende Arbeitsschritte neu integriert und in eine dem Kundenwunsch angepaßte Reihenfolge gebracht werden. Aus Fachabteilungen werden Prozeßteams. Allerdings zeigte dieses Konzept bei ca. 2/3 aller amerikanischen Firmen, die es versuchten, nicht den gewünschten Erfolg (Pauli 1996, S. 15), weil auf gewachsene Strukturen keine Rücksicht genommen wurde und sich frühere Hierarchien und Hegemonien in den Projekten reproduzierten.

Oft geschieht keine "Wende um 180", sondern der weiter vorhandene Taylorismus wird lediglich flexibilisiert, bei weiter laufendem Fließband werden teilweise entkoppelte Boxenarbeitsplötze geschaffen und im Automobilbau dominiert z.B. für die noch Arbeitenden weiterhin die manuelle Tätigkeit (Bochum, Dörrenbächer 1995). Deutlich ausgeprägt ist ein extrem erhöhter Arbeitsdruck durch Intensivierung, Gruppendruck und psychologischer Streß durch anspruchsvolles "job enrichment".

 

"Das fuehrt zu interessanten Auswuechsen, z.B. machten sich einige Gruppen daran, die von ihnen ausgehandelte tarifliche Arbeitszeit zu brechen oder zu ueberlegen, dass sie ja mit 10 statt 12 Leuten viel profitabler Arbeiten koennten. Wenn eine Person laenger krank ist dann wird sie erst schief angeschaut, hat enorme Probleme, sich in ihrer Gruppe zu behaupten und darf laengerfristig damit rechnen, dass sie den Arbeitsplatz verliert.

In diesem angenehmen Klima traute sich endlich eine Frau, im hauseigenen Netz anonym zu ihr Verhaeltnis zu ihrer Arbeit zu schreiben. Sie schilderte detailliert, wie beschissen sie sich unter diesen Umstaenden fuehlt, wie ueberarbeitet sie ist und dass sie mit dem Gedanken der Kuendigung spielt. Unter den ersten Antworten waren solche, wie z.B. die eines maennlichen Kollegen, der in seiner Mail ausbreitete, dass er diese Mail nach zwoelf Stunden Arbeit am Freitag Abend schreibt, sich aber trotzdem sauwohl fuehlt und die geschaetzte Kollegin fuer in der Tat als fehl am Platz einschaetzt.

Aber es kamen allmaehlich auch andere Briefe, in dem KollegInnen der Frau zustimmten und ebenfalls ueber ihre Einschaetzung ihrer eigenen Situation berichteten. Aus dieser Initiative erwuchs die Aktion 'Ich Besinne Mich' - die seitdem bei IBM recht weite Kreise gezogen hat - trotz starker Bemuehungen seitens der Betriebsleitung, diese Umtriebe im hauseigenen Netz zu unterbinden." (Feher, D.1998)

 

Im Fordismus WAR sozialer Fortschritt (Konsum) für die entwickelten Industriestaaten eine notwendige Verwertungsbedingung des Kapitals (Absatzmarktsicherung). Die flexible Automatisierung macht jedoch auch das Arbeiten mit der "Losgröße 1" noch profitabel. Die Mehrwertrealisierung kann sich tendenziell vom Massenbedarfsabsatz abkoppeln. Außerdem kann sogar in der Wegwerfgesellschaft der Verbrauch an materiellen Gütern nicht proportional zu den geforderten Profiten gesteigert werden. Dadurch entkoppeln sich die Produktiväts- und Weltmarkterfolge von den Wohlstands- und Beschäftigungswirkungen (Pauli 1996, S. 16).

Gleichzeitig bleibt wegen der globalen Verflechtungen nichts mehr isoliert - alle Beziehungen mit ihren Widersprüchen wirken direkt aufeinander ein.

Im Kern der neuen Produktionsformen verändern sich die produktiven Kräfte des Menschen, wobei auch hier einerseits die Möglichkeit für neue progressive Lebensformen der Menschen eröffnet wird. Andererseits wächst auch die Möglichkeit, daß ahumane und ökologisch zerstörerische Lebensformen sich weiter entwickeln (als "versklavender" Mode gibt die Profitmaximierung dann weiter lebensfremde Ziele auch entgegen sozialen oder ökologischen Bedürfnisbefriedigungen vor).

Das Kennzeichen der gegenwärtigen Automatisierung ist die Flexibilisierung. Dabei wird die bisher zentral organisierte Großproduktion entflochten und neu vernetzt ("fraktale" Organisation, siehe 1.2.4). Dieser Faktor bringt derzeit eine verstärkte Abhängigkeit und Einbindung aller Produzenten in die Kapitalverwertungslogik mit sich (kleine und mittlere Unternehmer, Schein-Selbständige, neue Ausbeutungsformen) - andererseits trägt er die Potenz neuer regional angepaßter und demokratischer Produktionskonzepte in sich.

Informationstechnologien vermitteln die Vernetzung der flexiblen Einheiten (Workflow, Intra- und Internet). Die sog. "Virtuellen Unternehmen" als projektorientierte Zusammenarbeit einzelner Unternehmen sind geradezu Keimformen für zukünftige "freie Assoziationen" in einer neuen Gesellschaftsordnung. Es zeigt sich, daß Vernetzung dezentralisierter kleinräumiger Einheiten ohne ein Zurück zum mittelalterlichen Zunftwesen nicht nur möglich, sondern sogar die einzig effektive und produktive Vergesellschaftungsform für komplexe hochdynamische Gesellschaften ist. Die vielbeschworene "materiell-technische Basis des Kommunismus" besteht also nicht, wie noch Marx annahm, in der Industrieproduktion seiner Zeit, sondern in den jetzt entstehenden neuen materiell-technischen Produktivkräften.

Diese flexiblen Produktionsprozesse sind schon jetzt durch Menschen mit kreativen und kommunikativen Fähigkeiten regelbar, was einerseits die Anforderungen an alle noch Tätigen enorm erhöht, verschärft - aber andererseits ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse historisch auf eine neue Stufe entwickelt, von der aus neue alternative Wirtschaftsmodelle wahrscheinlicher werden können ("freie Assoziation der Menschen"). Entfremdende Arbeitsteilung wird zu einem großen Teil aufgehoben, das Durchschauen der Komplexität wird von den Arbeitenden jetzt direkt gefordert. Wenn die Arbeitenden "unternehmerische Fähigkeiten" entwickeln müssen, um effektiv arbeiten zu können, können sie auch eher die Gesellschaft durchschauen lernen als in ihrer bisherigen Rolle als "Rädchen im Getriebe".

Während das Proletariat des Fordismus als "Rädchen im Getriebe" der Fließbandproduktion kaum zur Entwicklung von Kreativität, Wissen und Kollektivität angeregt wurde, ist die Fähigkeit zum Selbst-Management in der Gruppenproduktion heute notwendig und wird tendenziell auch immer stärker entwickelt.

Anfang der 90er Jahre boomten auch neue Managementmodelle, die zusätzlich zum quantitativen Hierarchieabbau qualitative Veränderungen in den Beziehungen zwischen Mitarbeitern verschiedener Hierarchieebenen und zur Unternehmensleitung propagierten (bis hin zum "Management by love"). Aus "Mietarbeitern" sollen endlich echte "Mitarbeiter" werden (Burgard zit. in Das Argument 1991, S. 713) und "Das subjektive Streben nach Selbstverwirklichung soll wirtschaftlich nutzbar gemacht werden" (zitiert ebenda S. 717). Das führt einerseits zu einer Verschärfung der realen Ausbeutung (letztlich sollen alle bisher noch freien Lebensqualitäten verwertet werden) - andererseits werden Voraussetzungen für Gesellschafts- und Wirtschaftsformen geschaffen, die über den Kapitalismus hinausweisen.

Die noch vorwiegend als Elend empfundene Erwerbslosigkeit kann dazu führen, daß sich Menschen stärker ihrer nichtmonetär zu befriedigenden Lebensbedürfnisse bewußt werden - besonders junge Leute empfinden z.T. bereits ihr "Nichtgebrauchtwerden" schon als Befreiung von Zwängen, denen ihre Eltern in der Lebensplanung noch unterworfen waren. Wer ihnen dann mit sinnloser Drahtabwickelei in einer Recyclinganlage "helfen" will, wundert sich über Drückebergerei. Auch wenn diese Situation des Nichtgebrauchtwerdens unter jetzigen Bedingungen oft zu Verantwortungslosigkeit führt - gerade auch, weil soziale Bewegungen und "Helfer" selbst auf vergangene Lebensmodelle orientieren - hat sich hier ein Potential entwickelt, bei dem das "Recht auf Faulheit" vielleicht zu einer revolutionären Losung wird.

 

 

Soziale und andere Faktoren

Seit 1979 gingen in den USA 34 Millionen Arbeitsplätze verloren - gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten von 90 Millionen auf 117 Millionen. Es enstanden also 61 Millionen "neue" Jobs ohne Arbeitsvertrag (WirtschaftsWoche Nr. 15, 12.4.1996).

Weltgeschichtlich wäre angesichts der erreichten Produktivität menschlicher Arbeit ein "Recht auf Faulheit" möglich. Sie wäre sogar notwendig angesichts der ökologischen Zerstörungen. Ein Großteil der durchgeführten Arbeiten ist ja zur wirklichen Bedürfniserfüllung überflüssig und dient lediglich der Profiterwirtschaftung.

Die Realitäten jedoch sehen anders aus:

Ausgerechnet in den kapitalistischen "Aufschwungländern" wie in Südostasien dominiert die "militärisch organisierte Arbeit in Kasernen der sogenannten Weltmarktfabriken und freien Produktionszonen", in denen die 12- bis 20jährigen Frauen i.a. 12 bis 15 Stunden täglich ohne Pause im Tropenklima eingezäunt und militärisch bewacht unsere billigen Klamotten nähen (Werlhof 1991, S. 115).

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Dies betrifft ganz allgemein den Vermögensbesitz:

Die reichsten 4,3% Menschen der bundesdeutschen Bevölkerung besitzen 41,1% des Geldvermögens, während die Hälfte aller Menschen nur 1,3% des Geldvermögens besitzt (Schmidt 1997, S. 3).

Die zeitliche Entwicklung der Unternehmer- und Arbeitnehmereinkommen zeigt weiterhin, welche Bevölkerungsteile welche Einkommen haben und wie sich die Schere weiter öffnet:

Zwischen 1982 und 1990 sind die nominalen Nettoeinkommen der Arbeitenden um 50% gestiegen, während die Nettoeinkommen der Unternehmer im gleichen Zeitraum um 150% stiegen (Richter 1997, S. 13).

Die Lohnstückkosten sanken dabei ständig:

Da der reale (d.h. preisbereinigte) Bruttolohn seit 1982 um 12.8% stieg und die Arbeitsproduktivität im gleichen Zeitraum um 28,8% wuchs, sanken die realen Lohnstückkkosten um 13,3 %. (Richter 1997, S. 13).

Daß die Unternehmenseinkommen nicht einmal vorwiegend aus produktiven Leistungen, sondern aus der Selbstvermehrung ihrer Vermögen kommen, zeigt:

Der Anteil der Vermögenseinkommen an den Unternehmenseinkommen betrug 1960 lediglich 7%, stieg 1980 auf 41% und 1992 auf 50% (Altvater, nach Schmid 1996, S. 4).

Da die moderne Wirtschaft nur noch als Weltwirtschaft angemessen zu behandeln ist, reicht die Betrachtung der Einkommensverteilungen in den Hauptindustrieländern nicht aus. Dem eben genannten Vermögenszuwachs stehen weltweit vor allem Staatsschulden gegenüber .

Weltweit nehmen gerade diejenigen Arbeitsformen zu, bei denen Reproduktionsarbeiten gar nicht mehr bezahlt werden (kostenlos arbeitende Frauen und Kinder). Oder es werden durch Kreditvergaben durch Weltbankprogramme oder Entwicklungshelfer immer mehr Menschen von der Agroindustrie abhängig und zu unbezahlter Arbeit erpreßbar gemacht (Weiterführung der sog. "ursprünglichen Akkumulation", auf die schon Rosa Luxemburg hinweis).

Dabei ist bei "Ausbeutung" nicht nur an Aneignung unbezahlter Arbeit zu denken, sondern bedeutet auch immer die qualitative Zerstörung von Lebensgrundlagen der Menschen, die bei uns dann als "Überbevölkerung" problematisiert werden und auch noch als Verursacher globaler Probleme hingestellt werden (vgl. Mies, Shiva 1995 und Shiva 1989).

Insgesamt werden immer mehr Bereiche des Lebens "kolonialisiert", weil zur Profiterwirtschaftung "in-Wert-gesetzt" und verwertet. Dabei entwickeln sich enorme Fragmentierungen und Polarisierung innerhalb der ausgebeuteten und kolonialisierten Kräfte. Einerseits werden immer mehr Bereiche der sozialen Hilfe entstaatlicht und privatisiert - andererseits werden immer mehr Bereiche kommerzialisiert, wo es profitabel erscheint. Der "Sozialstaat" beendet sein Existenz nicht etwa, sondern wandelt seine Funktion in Richtung Regulation und Kontrolle der Vergesellschaftung der Kosten der Reproduktion (bei verstärkter Privatisierung der Gewinne).

Mit den neuen Herstellungsformen entstehen auch ncue Vermarktungsstrategien, die den hochdynamischen, fragmentierten und chaotischen Strukturen der flexiblen Produktion entsprechen. Marketing wird zum Lebenssinnerzeuger (Lyfestilemarketing) und potenziert die Entfremdungseffekte. Kaufkräftige werden mit Life-Style-Produkten umworben und die anderen mit Abfallprodukten "ruhiggestellt" und in virtuelle Welten geschickt.

Die Kolonialisation der Lebenswelt aus dem Fordismus wird in der nach-fordistischen Ära intensiviert. Sogar bisher nicht-ökonomische Bereiche werden von ökonomischer Rationalität durchtränkt. Persönliche Dienstleistungen werden tendenziell durch warenförmige Geräte ersetzt (Blutdruckmeßgerät im Haushalt statt Besuch durch Gemeindeschwester). Roboter als Baby- und Altenpfleger sind in den Zukunftsvisionen japanischer Experten ernsthaft vorgesehen. Gleichzeitig jedoch werden Kosten aus nichtprofitablen Bereichen wieder der Gesellschaft angelastet (für die Erneuerung des Schuldachs an der Schule unserer Tochter müssen jetzt die Eltern spenden) und die nichtprofitablen Tätigkeiten (Gesundheitspflege) etc. werden wieder ins Private zurückgedrängt.

Mit der verstärkten sozialen Polarisierung bei gleichzeitig verstärkter Abhängigkeit von der immer weniger beeinflußbaren globalen Kapitalbewegung wird jedoch die im Fordismus noch stark einheitliche Sozialintegration brüchig. Dies hat destabilisierende Wirkungen im politischen Bereich - kann aber auch progressive Kreativität freisetzen.

"Brainpower-Kapitalismus"

Angeblich sollen die traditionellen ökonomischen Spielregeln der kapitalistischen Wirtschaft dadurch außer Kraft gesetzt worden sein, daß jene eine Wettbewerbsvorteil haben, die am schnellsten hochqualitative Informationen generieren (d.h. Kreativität, Brainpower haben). Dies wiederholt nur die alte Mär vom Erfolg des "Leistungsfähigsten" - diesmal auf eher kognitive Fähigkeiten gerichtet. Die Informationen an sich können sich nicht umsetzen, wenn sich nicht das Kapital mit ihnen verbündet.

Die These vom "Brainpowerkapitalismus" hat einen gewissen realen Kern, da heute kleinere Kapitalmengen als in den früheren Jahrzehnten bereits ausreichen, manche Neuerungen zu generieren und zu vermarkten. Grundlegende Weichenstellungen (neues Fernsehprinzip durch Laser etwa) sind jedoch auch heute wie eh und je nur möglich, wenn große Kapitalmengen mobilisiert werden können.

Die Hoffnung, durch den Übergang zur Informationsgesellschaft zu einer tendenziellen "Immaterialisierung" der Wirtschaft (und damit zu ökologisch notwendigen Verringerungen der Stoff- und Energieflüsse) zu kommen, hat sich bisher nicht bestätigt. Im Gegenteil - erhöhte Informiertheit erhöht i.a. die Transportaufwände für Produkte (Blumen aus USA nach Japan als Erfolgsstory des Internet) und koordinierende Menschen (Erfahrung aus sog. "Virtuellen Unternehmen") sowie den materiellen Outpout durch Verlagerung der Produktion in Billig-Lohn- und -Umweltländer.


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