Ökonomie und Arbeit bei Hegel
nach Georg Lukács

Der junge Hegel und die Probleme der kapitalistischen Gesellschaft. Berlin, Weimar 1986

1 Ökonomie
   1.1 Vorläufer
   1.2 Hegelsche Betrachtungen der Ökonomie
   1.3 Kritik
2 Arbeit
   2.1 Rolle des Werkzeugs
   2.2 Natur
   2.3 Kausalität und Zweckprinzip
   2.4 Zweck - Mittel - Bedürfnisse
   2.5 Dialektik der Arbeit
Literatur
1 Ökonomie

1.1 Vorläufer

Kant: erkennt Antagonismus einer "ungeselligen Geselligkeit",

  • "Der Mensch will Eintracht; aber die Natur weiß es besser, was für seine Gattung gut ist; sie will Zwietracht." ... schlechte Unendlichkeit des unendlichen Progresses (Lukács: 371)
Fichte: Hervorheben der "tätigen Seite", aber zu enger und zu abstrakter Begriff menschlicher Praxis:
  • Natur und Gesellschaft nur ein abstraktes Betätigungsfeld für den moralischen Menschen, den "homo noumenon"
  • Moral in abstrakter Negativität; die spezifische Eigengesetzlichkeit der Gesellschaft/Ökonomie ist uninteressant
  • -> Diktatur der Moral über das ganze gesellschaftliche Leben der Menschen (ebd.: 371)
Hegel: bekämpft moralistische Enge und starre Gegenüberstellung der subjektiven und objektiven Seite der gesellschaftlich-geschichtlichen Tätigkeit des Menschen (ebd.)

1.2 Hegelsche Betrachtungen der Ökonomie

  • Hegel war Anhänger von Adam Smith (Lukács 1986: 374), nur bei Rosenkranz steht etwas über ökonomische Interessen Hegels (210), andere ignorierten es
  • H. beschäftigt sich wahrscheinlich schon in den Vorarbeiten zu den "Systemfragmenten" (1803-1805) mit klass. engl. Ökonomie (213); in Systemfragmenten: Begriff des "zweckvollen Vernichtens" der Objekte
  • vor allem in seiner Frankfurter Zeit (1797-1800, 124 ff.): Frage Eigentumsverhältnisse und Liebe (154ff.)Dabei gilt, "... daß ... hier der lebendige Widerspruch, der sich in der menschlichen Tätigkeit, in der Arbeit am auffälligsten zeigt, jedenfalls mitbestimmend für die Herausarbeitung der richtigen Konzeption der Widersprüchlichkeit gewesen ist." (Lukács 1986: 266)
  • "Geist des Christentums" (1798) Eigentum wird als Schicksal betrachtet, (218), deshalb wendet sich Jesus davon ab; für das reale Leben wäre es jedoch unrealistisch, vom ET wieder wegzukommen "Das Schicksal des Eigentums ist uns zu mächtig geworden, als daß Reflexionen darüber erträglich, seine Trennung von uns denkbar wäre." (zit. in Luk.: 219) Aber weiter: "Aber soviel ist doch einzusehen, daß der Besitz von Reichtum, mit allen den Rechten, sowie mit allen Sorgen, die damit zusammenhängen, Bestimmtheiten in den Menschen bringt, deren Schranken den Tugenden ihre Grenzen setzen, ihnen Bedingungen und Abhängigkeiten angeben, innerhalb deren wohl für Pflichten und Tugenden Raum ist, die aber kein Ganzes, kein vollständiges Leben zulassen, weil es an Objekte gebunden, Bedingungen seiner außer sich selbst hat, weil dem Leben noch etwas als eigen zugegeben ist, was doch nie sein Eigentum sein kann...." (ebd., S. 219-220) (mehr Luk. S. 220 ff.)
  • in "System der Sittlichkeit" (1802), experimentiert noch mit Schellings Begriffssystem, statische Darstellungsweise, hier wird Begriff der Arbeit zentral
 
Aufeinander folgende Triaden bei der Untersuchung der Ökonomie
  • Rolle von Mehrarbeit und Mehrwert hat er nie einbezogen (damit ging er hinter Smith zurück) (217)
In Jena Systematisierungsversuche (Vorlesungen 1803-05):
  • Hegel erkennt (nach 1800) immer mehr, dass das, was er vorher als "Positivität" (feste, dingliche Eigenschaft) kritisiert hatte, die Folge von "Entäußerung" ist. (Luk.: 365)
  • Tatsache: es entsteht ein immer komplizierteres System von Vermittlungen als eigenes, selbsttätiges Werk der Menschen, als immer wieder von ihnen selbst reproduziertes Produkt ihrer gesellschaftlichen Tätigkeit.
  • Gesellschaftliche Entwicklung vernichtet die menschliche Individualität nicht, sondern diese entfaltet sich dabei ->Individuum in der bürgerlichen Gesellschaft: es existiert nur als entäußertes: Es existiert "als das, zu was es sich gemacht hat"
  • gleichzeitig aber auch Trauer um den Verlust der ursprünglichen Harmonie in der Unmittelbarkeit (in der Antike verkörpert) - und diese Trauer bleibt, die kapitalistisch-bürgerliche Gesellschaft wird nicht nur positiv gesehen (367)
  • Lukács: "Denn erst wenn die Entwicklung der Klassenkämpfe es dem proletarischen Humanismus gestattet, die konkrete Geschichtsperspektive einer Wiedererlangung der unmittelbaren (??? A.S.) Beziehung der Menschen zu einander und zur Gesellschaft durch die sozialistische Befreiung der Menschheit vor sich zu sehen, können diese Widersprüche... begriffen werden." (367)
  • zur Rolle von Werkzeugen: 1802 (System der Sittlichkeit, siehe Zitat in "Arbeit"), 1805/06 (Vorlesungen) (Luk.: 373, 397) (siehe unter 2.1 Arbeit-Werkzeuge)
  • dann aber auch: "Aber das Werkzeug hat die Tätigkeit noch nicht an ihm. Es ist träges Ding, kehrt nicht in ihm selbst zurück. Ich muß noch damit arbeiten." (1805/06) -> "starke antifetischistische Tendenz" (Luk.: 420
  • der Ständeaufbau der bürgerlichen Gesellschaft wird in den Jenaer Schriften immer realistischer und ökonomischer (Luk.: 427), gleichzeitig mit Verwerfen der Schellingschen Form der Begriffsbildung (von 1802 zu 1805/06)
In Logik II (= HW 6, 1813):
  • diese Zusammenhänge tauchen vor dem Übergang zur "absoluten Idee" [1] (als Einheit der theoretischen und der praktischen Idee) auf
  • In der praktischen Idee ist die Wirklichkeit mehr äußerlich (als solche ist sie "nichtig"), sondern erhält ihren "Zweck des Guten [2]": "Dieser Mangel kann auch so betrachtet werden, daß der praktischen Idee noch das Moment der theoretischen fehlt. In der letzteren nämlich steht auf der Seite des subjektiven, vom Begriffe in sich angeschaut werdenden Begriffs nur die Bestimmung der Allgemeinheit; das Erkennen weiß sich nur als Auffassen, als die für sich selbst unbestimmte Identität des Begriffs mit sich selbst; die Erfüllung, d. i. die an und für sich bestimmte Objektivität ist ihr ein Gegebenes und das wahrhaft Seiende die unabhängig vom subjektiven Setzen vorhandene Wirklichkeit. Der praktischen Idee dagegen gilt diese Wirklichkeit, die ihr zugleich als unüberwindliche Schranke gegenübersteht, als das an und für sich Nichtige, das erst seine wahrhafte Bestimmung und einzigen Wert durch die Zwecke des Guten erhalten solle. Der Wille steht daher der Erreichung seines Ziels nur selbst im Wege dadurch, daß er sich von dem Erkennen trennt und die äußerliche Wirklichkeit für ihn nicht die Form des wahrhaft Seienden erhält; die Idee des Guten kann daher ihre Ergänzung allein in der Idee des Wahren finden." (WdL II: 545)
  • ->führt zu "Schluss des Handelns [3]" (ebd.), vorher war "Schluss der unmittelbaren Realisierung" als nur äußerliche Zweckmäßigkeit (543)
    hier: unmittelbare Beziehung des guten Zwecks auf die Wirklichkeit, deren er sich bemächtigt und ... die er als äußerliches Mittel gegen die äußerliche Wirklichkeit richtet (545-546)
  • Lenin: bei Hegel steht die Praxis als Kettenglied in der Analyse des Prozesses der Erkenntnis ... "Marx knüpft folglich unmittelbar an Hegel an".
    vgl. auch später in Enzykl. III (HW 10): 546 ist Schluss, der Erkenntnisprozess betrifft, der abschließende 577 als Idee der Philosophie = sich wissende Vernunft meint Einheit von Natur- und Erkenntnisprozess
In Grundl.d.Phi.d.Rechts (= HW 7, 1820):
  • Zusammenhang von Freiheit und Notwendigkeit
    "... dieses Wimmeln von Willkür erzeugt aus sich allgemeine Bestimmungen, und dieses anscheinend Zerstreute und Gedankenlose wird von einer Notwendigkeit gehalten, die von selbst eintritt. Dieses Notwendige hier aufzufinden, ist Gegenstand der Staatsökonomie, einer Wissenschaft, die dem Gedanken Ehre macht, weil sie zu einer Masse von Zufälligkeiten die Gesetze findet. Es ist ein interessantes Schauspiel, wie alle Zusammenhänge hier rückwirkend sind, wie die besonderen Sphären sich gruppieren, auf andere Einfluß haben und von ihnen ihre Beförderung oder Hinderung erfahren. Dies Ineinandergehen, an das man zunächst nicht glaubt, weil alles der Willkür des Einzelnen anheimgestellt scheint, ist vor allem bemerkenswert und hat eine Ähnlichkeit mit dem Planetensystem, das immer dem Auge nur unregelmäßige Bewegungen zeigt, aber dessen Gesetze doch erkannt werden können." (HW 7 187 Zusatz: 347)
  • "List der Vernunft" (es kommt was andres raus, als die individuelle Bestrebung wollte)
    • vgl. "List" im Werkzeug (siehe 2.2) für Beziehung von arbeitendem Mensch zu Natur Von der Überlistungstechnik zur Allianztechnik
    • jetzt (HW 7: 347): Beziehung von Staat und Regierung zum einzelnen Menschen bzw. zur Gesamtheit der wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen (Lukacs: 409); vgl. Hegel 1805/06: "Der Staat ist die List" (zit. ebd.: 410)
    • Hegel versucht die List der Regierung an seinen allgemeinen Begriff von List anzugleichen ->
    • Verhältnis: "allgemeine Vernunft - Flüssigkeit des Einzelnen"
    • zeigt sich auch in der Weltgeschichte (410 ff.)
  • hier aber auch deutlich der Gegensatz zwischen Armut und Reichtum (auch Einfluss von Ricardo) (Luk.: 427)

1.3 Kritik

  • bei Hegel wird nicht über kapitalistische Gesellschaftsform hinaus gedacht (Luk.: 420 f.); Kritik von Marx: "Die Gesellschaft als ein einziges Subjekt betrachten, heißt sie überdem falsch betrachten - spekulativ." (Kritik d.pol.Ök., Einleitung); begründet in unentwickelten Klassengegensätzen in Deutschland und in der gerade aktuellen Frage nach der nationalen Einheit in Dtschl.
  • ablehnendes Verhalten zur radikal durchgeführten Demokratie, Verkennen der produktiven Kräfte im Plebejertum (Luk.: 424 f.) - hätte im realen Deutschland damals auch keinen Boden unter den Füßen gehabt und wäre in subjektivistischen Utopismus umgeschlagen (ebd. 425 f.)
  • innere Struktur der Gesellschaft, ihre Differenzierung in Stände ist nicht aus der Ökonomie selbst entwickelt (426)
  • Staat und Regierung sind nicht Resultate einer inneren ökonomischen und sozialen Dialektik der Gegensätze zwischen den Ständen (ebd.)

2 Arbeit

System der Sittlichkeit (1802): (vgl. Lukács 1986: 374 ff.)

 
Aufeinander folgende Triaden bei der Untersuchung der Ökonomie
  • Arbeit = zweckmäßige Vernichtung des Objekts, so wie es der Mensch ursprünglich vorfindet
  • Arbeit = Verwirklichung der Identität von Subjektivität und Objektivität, als Tätigkeit, die das Tote der Objektivität aufhebt, als Triebkraft der Entwicklung, die aus dem Menschen ein Produkt seiner eigenen Tätigkeit macht (Lukács 1986: 213)
  • schon in "Systemfragmenten..." taucht die Kategorie des "zweckmäßigen Vernichtens" der Objekte auf (214)
  • "Die Vernichtung des Objekts, oder der Anschauung, aber als Moment so, daß diese Vernichtung durch eine andere Anschauung oder Objekt ersetzt wird; oder die reine Identität, Tätigkeit des Vernichtens fixiert ist; ... das Objekt nicht vernichtet, als Objekt überhaupt, sondern so, daß ein anderes an seine Stelle gesetzt wird; ... dieses Vernichten ist aber die Arbeit." (System der Sittl., zit. Lukács 1986: 215)
  • dabei Verknüpfung von Arbeit und Zweckmäßigkeit (zu Zweck siehe 2.3.)
  • Arbeit als Urform der menschlichen Praxis (Lukács 1986: 404)

2.1 Rolle des Werkzeugs

System der Sittlichkeit (1802) (zit. in Luk.: 266 ff.)

"Nach der einen Seite ist es subjektiv, in der Gewalt des arbeitenden Subjekts, und ganz bestimmt durch dasselbe, zubereitet und bearbeitet, nach der anderen objektiv gegen den Gegenstand der Arbeit gerichtet. Durch diese Mitte hebt das Subjekt die Unmittelbarkeit des Vernichtens auf; denn die Arbeit als ein Vernichten der Anschauung ist ebenso eine Vernichtung des Subjekts, eine Negation, bloße Quantitativität in ihm setzendes; Hand und Geist wird stumpf durch sie, d.h. sie nehmen selbst die Natur des Negativen und Formlosen an, sowie auf der anderen Seite (denn das Negative, die Differenz ist gedoppelt) die Arbeit ein schlechthin einzelnes Subjektives ist. Im Werkzeug macht das Subjekt eine Mitte zwischen sich und das Objekt, und diese Mitte ist die reale Vernünftigkeit der Arbeit...
Im Werkzeug trennt das Subjekt sein Stumpfwerden und die Objektivität von sich ab... zugleich hört seine Arbeit auf, etwas Einzelnes zu sein; die Subjektivität der Arbeit ist im Werkzeug zu einem Allgemeinen erhoben; jeder kann es nachmachen und ebenso arbeiten; es ist insofern die beständige Regel der Arbeit."
Vorlesungen von 1805/06 (zit. Luk.: 397) "Es ist der Inhalt auch insofern, als es das Gewollte ist, und Mittel der Begierde, die bestimmte Möglichkeit derselben. In dem Werkzeuge oder in dem bebauten, fruchtbargemachten Acker besitze ich die Möglichkeit, den Inhalt als einen allgemeinen. Darum ist das Werkzeug, Mittel vortrefflicher als der Zweck der Begierde, der einzelner ist; er umfaßt alle jene Einzelheiten.
Aber das Werkzeug hat die Tätigkeit noch nicht an ihm. Es ist träges Ding, kehrt nicht in ihm selbst zurück. Ich muß noch damit arbeiten.
Ich habe schon die List zwischen mich und äußere Dingheit hineingestellt, mich zu schonen und meine Bestimmtheit damit zu bedecken und es sich abnutzen zu lassen. Ich bleibe die Seele dieses Schlusses, in Beziehung auf es, die Tätigkeit. Ich erspare dabei aber nur der Quantität nach, bekomme aber doch Schwielen. Das Mich-zum-Dinge-Machen ist noch notwendiges Moment; die eigne Tätigkeit des Triebs noch nicht im Dinge. Es ist in das Werkzeug auch eigne Tätigkeit zu legen, es zu einem selbsttätigen zu machen. Dies geschieht so, daß es a) so verschlungen ist, an der Linie, der Faden, seine Zweiseitigkeit benutzt wird, um in diesem Gegensatze ihn in sich zurückgehen zu machen. Die Passivität verwandelt sich in Tätigkeit, in festhaltendes Zusammengehen."

2.2 Natur

"b) überhaupt, daß die eigne Tätigkeit der Natur, Elastizität der Uhrfeder, Wasser, Wind angewendet wird, um daß ihr blindes Tun zu einem zweckmäßigen gemacht wird, zum Gegenteile ihrer selbst; vernünftiges Verhalten der Natur, Gesetze, in ihrem äußeren Dasein. Der Natur selbst geschieht nichts, einzelne Zwecke des natürlichen Seins werden zu einem Allgemeinen. Hier tritt der Trieb ganz aus der Arbeit zurück. Er läßt die Natur sich abreiben, sieht ruhig zu und regiert nur mit leichter Mühe das Ganze: List. Die breite Seite der Gewalt wird von der Spitze der List angegriffen. Er ist die Ehre der List gegen die Macht, die blinde Macht an einer Seite anzufassen, daß sie sich gegen sich selbst richtet, sie anzugreifen, sie als Bestimmtheit zu fassen, gegen diese tätig zu sein oder sie als Bewegung eben in sich selbst zurückgehen zu mache, sich aufzuheben." Was verändert sich durch die Arbeit?
  • andere Form, andere Funktion, andere Richtungen und Wirkungsarten der Naturkräfte (398)
  • entlockt den natürlichen Gesetzmäßigkeiten neue, bisher unbekannte oder nur zufällig auftretende Wirkungsmöglichkeiten (399)

2.3 Kausalität und Zweckprinzip

->dialektische Einheit von Kausalität und Zweckprinzip der Arbeit:

Mit dem Arbeitsmittel kann nichts anderes gemacht werden, als was die objektive Gesetzmäßigkeit der Objekte gestattet, kann nicht über kausale Zusammenhänge hinaus gehen. "Der spezifische Charakter der Zwecksetzung besteht [...] bloß darin, daß die Vorstellung vom Ziele früher da ist als das In-Bewegung-Setzen des Arbeitsprozesses." (Lukács 1986: 398), es gilt dabei "daß der Arbeitsprozess dazu da ist, dieses Ziel mit Hilfe der immer tiefer erkannten Kausalzusammenhänge der objektiven Wirklichkeit zu verwirklichen." (ebd.)
  • auch die Zielsetzung ist kausal, d.h. gesellschaftlich und biologisch ("Trieb des Menschen, seine notwendigen Bedürfnisse zu befriedigen", Luk.: 398) bestimmt

2.4 Zweck - Mittel - Bedürfnisse

  • Bedürfnisse: Standpunkt des unmittelbaren Bewußtseins: Zweck steht höher als das Mittel
  • dagegen Hegel: Dialektik des Arbeitsprozesses geht über diesen Standpunkt des unmittelbaren Bewußtseins hinaus. Hegel: "Begierde muß immer wieder von vorne anfangen"
  • vgl. auch: Entwicklung der Menschheit (d.h. bei Hegel: die Entstehungsgeschichte des Geistes) geht über die Arbeit des "Knechts", währen der "Herr" im unmittelbaren Genuss, in der unmittelbaren Befriedigung der Bedürfnisse für die Weiterentwicklung der Menschheit unfruchtbar bleibt. (Lukács 1986: 401)
  • (A.S.: Operaismus: "Begehren" als unmittelbare Kategorie?)

2.5 Dialektik der Arbeit

(abstrakt, unmittelbar) Ding
Umstände (Objektives)
(abstrakt, unmittelbar) Mensch
Zweck (Subjektives)
Aufhebung dieses Gegensatzes im Arbeitsmittel (AM) (Gegenstand)
Vernichtung der Unmittelbarkeit
gesellschaftliche
Gegenstände (Arbeitsgegenstand und Arbeitsresultat)
entfremdetes/entäußertes
Subjekt
(Arbeitssubjekt)
Praxis, Arbeit = Subjekt-Objekt (Prozess)

  • beginnend mit Ding/Umständen: "materialistische" Lesart; beginnend mit Mensch: "idealistische Lesart" (vgl. dass. für Spiegelmetapher bei Holz 2005: 205 ff.)-> Begreifen der Einheit: Zwecke und Umstände sind gesellschaftlich erzeugt, d.h. sie sind "Besonderungen/Entäußerungen" der gesellschaftlichen Arbeit/Praxis
später in der "Logik":
  • H. wertet diese Ergebnisse beim Thema "Teleologie" aus
  • zusätzlicher Gedanke: menschliche Arbeit/Praxis (Teleologie) ist die Wahrheit von Mechanismus und Chemismus
    (Zweckbeziehung in freier Selbstbestimmung als Auflösung der Antinomie zwischen "Kausalität nach Naturgesetzen" und Freiheit (Kant, KrV, S. 462ff.; B 472ff.; KdU, S. 221ff., B 314ff.,), wobei sich der Zweck als das konkrete Allgemeine, als Begriff erweist (WdL II, S. 443).)
Kritik von Marx (ÖPM):
  • "Er erfaßt die Arbeit als das Wesen, als das sich bewährende Wesen des Menschen; er sieht nur die positive Seite der Arbeit, nicht ihre negative. Die Arbeit ist das Fürsichwerden des Menschen innerhalb der Entäußerung oder als entäußerter Mensch."

Zitierte und weitere Literatur dazu:

Lukács, Georg (1986): Der junge Hegel und die Probleme der kapitalistischen Gesellschaft. Berlin, Weimar.

Holz, Hans Heinz (1997 III): Einheit und Widerspruch. Problemgeschichte der Dialektik in der Neuzeit. III Die Ausarbeitung der Dialektik. Stuttgart, Weimar: Verlag J.B. Metzler.

Holz, Hans Heinz (2005): Weltentwurf und Reflexion. Versuch einer Grundlegung der Dialektik. Stuttgart, Weimar: Metzler.

Holzkamp, Klaus (1973): Sinnliche Erkenntnis. Franfurt am Main: Athenäum.

Kant, Immanuel (KrV): Kritik der reinen Vernunft Nach der ersten und zweiten Orig.-ausg. Hrsg. von Raymund Schmidt. Hamburg: Felix Meiner Verlag 1993.

Ruben, Peter; Warnke, Camilla (1979): Telosrealisation oder Selbsterzeugung der menschlichen Gattung. DZfPh 27 (1979), S. 20-30.

Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph, von (1795): Vom Ich als Princip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen. (1795) In: F.W.J.Schelling. Ausgewählte Schriften in 6 Bänden. Band I. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 39-134.

Schelling, Friedrich Wilhelm Joseph, von (1804): System der gesammten Philosophie und der Naturphilosophie insbesondere. (1804) In: F.W.J.Schelling. Ausgewählte Schriften in 6 Bänden. Band 3. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 141-588.

Tomberg, Friedrich (1978): Menschliche Natur in historisch-materialistischer Definition. In: G. Rückriem, F. Tomberg, W. Volpert u.a. : Historischer Materialismus und menschliche Natur. Köln 1978. S. 42ff.


Fußnoten:

[1] Idee: Einheit der Vernunftform des Denkens und der Vernunftform der Wirklichkeit (Holz 1997 III: 131)

[2] Gutes = die "in dem Begriffe enthaltene, ihm gleiche und die Forderung der einzelnen äußerlichen Wirklichkeit in sich schließende Bestimmtheit" (WdL II: 542); hier ist die Idee nicht mehr nur theoretisch, sondern praktisch wirklich geworden.

[3] Lenin: "... daß ... die Praxis des Menschen sich dadurch, daß sie sich milliardenmale wiederholt, im Bewußtsein des Menschen als logische Figuren einprägt." (Aus dem phil. Nachlass..., zit. in Luk.: 405)

 

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